© Darkwulf
Lianen bedeckten die schwarz schillernden Hölzer der alten Bäume, die hier schon seit Ewigkeiten wurzeln schlugen. Es waren kaum noch Tiere zu hören oder zu sehen. Mühsam schleppten sie über dichte Geflechte aus Wurzeln, Pflanzen und brennendem Gestrüpp. Die Füße schmerzten und sie schlugen gerade mehrere Ranken weg und ließen eine kleine, verfallene, Mauer hinter sich, in deren Löchern einige seltene Vögel brüteten. Schwitzend erreichten sie ein kleines Erdloch vor dem sie ihren Marsch stoppten. Ohne zu zögern holte Hogan einen weiß leuchtenden Edelstein hervor, den er ins spärliche Sonnenlicht hielt.
Sekundenbruchteile später wirbelten blaugrüne Flämmchen über die Lichtung und erzeugten, wenn sie sich berührten, kleine Lichtblitze. Zeitgleich wuchsen die Bäume schnell in die Höhe und kalte Wasserfontänen schossen aus dem Boden, die erfrischende, fein zerstäubte Wölkchen von sich stießen. Später konnte man das plätschern von Wasser hören, das von rechts kam. Als sie an die Stelle blickten, sahen sie eine kleine Quelle die munter sprudelte. Ein kleines Rinnsaal ergoss sich dabei auf den Waldboden, in dem es irgendwann einsank.
Im Rinnsaal der Quelle konnten sie ihre Spiegelbilder erkennen. Eine wohlige Wärme breitete sich in ihnen aus und sie näherten sich dem sprudelndem Wasser. Hogan hielt den Stein in das Nass und das Wasser begann sich grün zu verfärben. Reobald fiel auf den feuchten Waldboden und schrie vor Schmerz. hörbar auf. Dann riss seine Haut am Rücken auf, Blut tropfte dabei herab, schwarzrote Flügel stießen aus dem rohem Fleisch hervor und entfalteten sich schlagartig. Etwa zur selben Zeit formte sich auch der Rest seines Körpers zu dem eines rotschwarzen Drachen, der einen erbebenden Heullaut von sich gab.
Rodiak und Efferdia standen wie erstarrt da und für kurzen Moment wich ihnen jegliche Farbe aus dem Gesicht. Der Drache drehte sich um und zeigte seine Dolchartigen Zähne, von denen weißliches Sekret floss. Seine Augen zeigten jetzt jedoch einen freundlichen Ausdruck und man konnte ihm anmerken, dass seine Schmerzen verflogen waren. Danach nahm er den Edelstein wieder auf und bat Falk und Efferdia mit menschlich wirkender Stimme ihm zu folgen. Kurz darauf liefen sie an der Quelle vorbei einen schmalen Trampelpfad entlang bis sie an einer umgestürzten steinernen Stehle ankamen, die ein paar Inschriften trug. Schweigend umrundeten sie diese und der Drache legte seine Pranke auf den kalten Stein, der sich daraufhin langsam aufrichtete. Dann konnten sie selbst nicht glauben, was sie sahen.
Das Zimmer machte einen ordentlichen Eindruck und fein geschnitztes Mobiliar rundete die ohnehin luxuriöse Szenerie ab. Duftendende Kerzen in goldenen Wandhalterungen leuchteten vor sich hin und gaben ein warmes Licht ab. Goldbestickte Teppiche zierten den Boden und ein Bett aus Edelhölzern stand in der Raummitte, welches Platz für zwei Personen bot. Ausgelaugt ließ Molitor sich auf die weiche Matratze fallen und blickte an die Decke. Er kannte dies alles nur zu gut. Jedoch war dies alles war vor vielen Jahren geschehen und er konnte nicht fassen, dass dies geschah. Er würde sich am nächsten Morgen mit dem Akademieleiter Foslarin unterhalten um diese Sache genauer zu verstehen und aufzuklären.
Müde nahm er die Karaffe mit Wasser vom Beistelltisch und trank einen Schluck, während er nachdenklich aus dem Fenster starrte. Es klopfte an der Zimmertür während er den Krug abgestellt hatte und er fragte sich wer ihn um diese Zeit wohl aufsuchen würde. Er öffnete die Tür und sah Lurthenor vor sich, der zu dieser Zeit noch nicht einmal geboren worden war. ,, Meister wir müssen umgehend diesen Ort verlassen !´´ sagte Lurthenor gehetzt.
,, Was genau meinst du damit ?´´ ,, Die Schatten werden uns bald eingeholt haben und werden uns anschließend vernichten !´´ ,, Wie lange noch ?´´ ,, Höchstens eine halbe Stunde.´´ beantwortete Lurthenor. ,, Wohin können wir gehen, wenn sie uns überall finden können ? ´´ fragte Molitor hastig.,, Ich glaube, dass wir euren Propheten irgendwie finden sollten !´´ fast schrie Lurthenor dabei. Molitor legte seine Stirn in Falten und der weiße Vorhang vor dem Fenster flatterte im Wind, der gerade auffrischte.
Schnellen Schrittes ließen sie das Gasthaus hinter sich, nachdem Molitor seinen Stab mitgenommen hatte und eilten durch die engeren Seitengassen, bis sie nach einer Weile an einem der Ställe ankamen, an die sich die Quartiere der Beilunker Reiter anschlossen. Schnell hatten sie zwei starke Pferde im hinteren Teil der Stallung ausgemacht und machten sich eilig daran diese loszubinden. Offenbar wurden öfters die Reiter der Pferde gewechselt, denn diese brachten kein ängstliches Wiehern hervor und schienen ruhig zu bleiben. Plötzlich sprang ein junger Stallbursche aus dem Heu und forderte beide mit erhobener Mistgabel auf den Stall zu verlassen.
Szichtor und Rodiak sahen sich kurz an und schauten dann wieder in Richtung des Wächters. Dann öffneten beide ihre Hände und schleuderten den Jungen mit einem kurzen Windstoß gegen eine der Holzwände, der daraufhin das Bewusstsein verlor. Eilig stiegen sie auf und ritten mit hohem Tempo durch das Südtor, dass Molitor gekonnt mit einer gewaltigen Feuerkugel zertrümmerte, da dieses Nachts verschlossen war. Jetzt nahmen Molitor und Lurthenor war, das sie in dieser ,,Traumwelt´´ auch ohne die Kraft der Edelsteine die Macht der Magie nutzen konnten.
Beide nahmen sie gerade noch die schreienden Torwachen wahr, die wütend ihre Hellebarden zu Boden warfen und die Kürassier alarmierten, die ihnen mit schnellen Pferden begannen nachzustellen. Molitor hatte die Gefahr erkannt und wirbelte seinen Stab hoch über seinem Kopf, aus dem sich nach kurzer Zeit ein Flammenstrahl entlud, der das vertrocknete Gras vor den Reitern sofort in Brand setzte. Lurthenor wich gerade einem Pfeil aus, der fast seine rechte Schulter getroffen hätte und brüllte ,, Fulminictus Donnerkeil ! ´´ Augenblicklich fiel ein Reiter aus seinem Sattel und kam rollend im Gras zum liegen.
Dem geistigen Schlag hatte er nichts entgegen setzen können. Weiter galoppierten sie über eine der Wiesen und trieben ihre Pferde weiter an. Zwei Reiter waren jetzt noch hinter ihnen und einem der beiden gelang es mit einem waghalsigen Manöver aufzuschließen, in dem er eine sehr enge Kurve beschritt, die an einem abschüssigem Hügel an Geschwindigkeit gewonnen hatte. Schreiend riss er den Reitersäbel aus dem Sattelhalfter und streifte mit einem kräftigem Schlag Molitors Arm.
Nach dieser schnellen Attacke konterte Molitor mit einem Schlag seines Stabes, doch duckte sich der Reiter unter dem Schlag weg. Der andere Kürassier legte gerade einen neuen Pfeil auf und ließ die Sehne seines Bogens zurückschnellen. Zischend beschrieb das Geschoss eine steile Flugbahn und traf Lurthenors Hengst am Hinterlauf. Wiehernd knickte des Pferd ein und rutschte noch ein Stück über das trockene Gras, das dabei stark umknickte.
Lurthenor konnte gerade noch abspringen und kam polternd zum liegen, während er beinahe von den donnernden Hufen, die von Szichtors und dem Pferd des Kavalleristen stammten, zerquetscht worden wäre. Euphorisch hielt der Reiter, der Lurthenors Pferd zu Fall gebracht hatte vor ihm an und zielte mit seinem geladenen Bogen auf Rodiaks Kopf. Wieder hieb der Reiter nach Molitors Arm. Szichtor schaffte es gerade noch die Klinge des Angreifers an der Seite zu erreichen und zischte :,, Eisenrost und Patina.´´
Verwirrt konnte der militärische Reiter nun sehen, dass sein Säbel mit Rost überzogen wurde und in der Mitte zerbrach. Darauf ließ der Kavallerist diesen fallen und wurde von einem Schlag getroffen, den Molitor flugs mit seinem Stab ausgeführt hatte und den Getroffenen aus dem Sattel hob. ,, Lasst die Waffe sinken oder euer Freund wird nicht mehr sein !´´ befahl der Bogenschütze wütend.
,, Bitte ... ´´ rief Rodiak und deutete dabei in die Richtung des Bogenschützen, der Lurthenor nicht einen Moment aus den Augen gelassen hatte und nach kurzer Zeit klagend zusammenbrach. Dann umfasste Lurthenors Arm eine Hand und zog ihn nach oben. ,, Du lernst sehr schnell mein Schüler.´´ verkündete Molitor Szichtor sichtlich erleichtert und wenige Augenblicke später ritten sie in südlicher Richtung weiter ohne sich der Gefahr bewusst zu sein, die sich ihren leblosen Körpern näherte, die noch immer da lagen und von schattenhaften Kreaturen langsam eingeschlossen wurden.
Ein Urwald lag vor ihnen, der kaum einen Blick in sein Inneres preisgab. Das merkwürdigste jedoch waren die seltsam anmutenden Geschöpfe, die man hin und wieder durch das Dickicht kriechen oder gehen sah. Manche sahen aus wie schwarze Echsen, die den Körper einer Schlange hatten und wieder andere sahen aus wie Kaulquappen auf zwei Beinen. Geduckt kämpften sie sich durch den Irrgarten in dem es keine Wege gab. Dies machte es um so schwieriger eine bestimmte Richtung beizubehalten. So irrten sie mehrere Stunden umher und konnten ab und zu Flugechsen sehen, die über dem Dschungel ihre Kreise zogen.
Sie stoppten vor ein paar steinernen Stehlen in die Drachenwesen und riesige Kreaturen mit Flügeln und Spinnenbeinen eingemeißelt waren, die zum Teil vergoldet waren und im Sonnenlicht glänzten. Am Boden konnte man eine Schlange beobachten, wie sie über den Boden kroch und offenbar kein Interesse an den Fremden hatte. Staunend gingen sie weiter und liefen an zwei Statuen vorbei die mit ihren gewaltigen Schwingen einen kleinen Eingang verbargen, der in ein Felsen getrieben worden war.
Diese Drachen machten einen sehr lebendigen Eindruck und man glaubte ein Schnauben zu hören, wenn man sich neben ihnen befand. Hatten sich eben die Flügel bewegt ? Dann hatten sie den unbeleuchteten Eingang erreicht und tasteten sich mühsam durch die Dunkelheit. Ihre Schritte hallten von den glattbehauenen Tunnelwänden wieder und sie zwängten sich durch eine schmale Felspassage, die leicht abschüssig wurde und tiefer in das Gestein führte. Weiter vorne sahen sie jetzt ein schwachen Lichtschein, der grünlich ein paar Umrisse an die Wand warf.